Erfahrung Linux VServer

Zunächst sollte man sich darüber im klaren sein, daß der Unterschied zwischen einem vServer und einem Webhosting-Paket nicht unerheblich ist. Als Besitzer eines vServers trägt man nämlich ganz alleine die Verantwortung für den virtuellen Server, während im Gegensatz dazu bei einem Webhosting-Paket der jeweilige Hoster dafür sorgt, daß sich die eingesetzte Software auf einem aktuellen Stand befindet.

Die Risiken und Gefahren für den Besitzer eines vServers sind nicht unerheblich, da einzig und allein er für den vServer verantwortlich ist! Es kommt beispielsweise regelmäßig vor, daß schlecht konfigurierte oder mit alten Programmversionen betriebene vServer gehackt werden. Das Mißbrauchspotential in solchen Fällen ist groß: Angefangen von der mißbräuchlichen Nutzung als Warez-Server bis hin zur Ablage von Pornobildern ist mit einem vServer nahezu alles machbar, bis der Mißbrauch schlußendlich auffliegt.

Wer dennoch einen vServer sein eigen nennen möchte, muß nicht verzagen. Die Administration eines virtuellen Servers kann nämlich hervorragend zu Hause geübt werden. Dazu stehen leistungsfähige und kostenlose Virtualisierungslösungen wie VirtualBox zur Verfügung, und da für Linux keinerlei Lizenzgebühren anfallen, muß man sich über weitere Kosten auch keine Gedanken machen.

Insbesondere Einsteiger stolpern oft über die kommandozeilenbasierte Administration eines vServers. Obgleich es auch webbasierte Oberflächen gibt, in denen teilweise die Einstellungen für einen vServer geändert werden können, führt letztendlich kein Weg an der Kommandozeile vorbei. Aus diesem Grund empfiehlt es sich auch speziell für Einsteiger in diesem Bereich, zunächst einmal die Installation und Konfiguration von Software-Paketen zu Hause in einer virtuellen Maschine durchzuspielen. Wenn dabei etwas schiefgeht, kann mit Hilfe von Snapshots eine Änderung schnell rückgängig gemacht werden – bei einem produktiven System sieht das hingegen schon wieder anders aus.

Darüber hinaus ist speziell für Anfänger ein Rettungssystem sehr empfehlenswert, das auf einfache Art und Weise jederzeit zurückgespielt werden kann, ohne dafür jedesmal die Hilfe des Hosters in Anspruch nehmen zu müssen. Speziell bei Experimenten mit der Secure Shell (SSH), die nahezu in allen Fällen für den Remote-Zugriff zum Einsatz kommt, ist ein Zugriff auf eine verbogene Konfiguration über eines der bekannten Administrationstools wie Confixx oftmals der letzte Notanker, um doch noch Zugang zu einem vServer zu erhalten.

Ein Rettungssystem hingegen stellt wirklich die letzte Instanz dar, denn damit wird der eigene vServer komplett mitsamt allen darauf gespeicherten Daten gelöscht und wiederhergestellt.

Alles in allem ist ein vServer für einen völlig unerfahrenen Einsteiger nicht zu empfehlen, da zu den oben angesprochenen rechtlichen Risiken auch noch die Möglichkeit einer Fehlkonfiguration hinzu kommt, die unangenehme Konsequenzen haben kann (z.B. offener Mailserver, der anderen den Versand von Spammails erlaubt). Hinzu kommt der zeitliche Aufwand, den man regelmäßig für das Einspielen von Updates und ggf. der Fehlersuche nach einem fehlerhaften Patch einplanen muß.

Fazit: Wer es lieber bequem mag, sollte sich für ein Webhosting-Paket entscheiden, bei dem sich der Hoster um alles kümmert. Im Gegensatz dazu ist ein vServer für denjenigen zu empfehlen, der zumindest Grundkenntnisse in Linux besitzt und weiß, worauf er beim Betrieb eines eigenen Servers achten muß.